Kassel, Kaltort-Ranking 2019

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documenta-Stadt & Combat18-Hauptsitz

Besichtigen Sie Kassel, die documenta-Stadt und eindrucksvolles Freiluftmuseum für die Zustände, die mit der Ignoranz rechter Szene und Strukturen einhergehen. Ungestört konnten sich hier, unter immer mal wechselnden, meist recht ähnlich klingenden Namen immer wieder Rechtsterroristen organisieren. Während Namen und Treffpunkte wechselten – vergessen Sie nicht, gleich unsere thematische Stadtrundfahrt zu buchen – blieben Aktionsform wie Beteiligte relativ unverändert. Wer auf die jüngere Stadtgeschichte blickt, sieht die Folgen davon unter anderem in zwei Morden Rechtsradikaler und einer langen Liste an weiteren Anschlägen und Angriffen.

Nachdem rechte Diskursgrößen von Akif Pirinçci und Erika Steinbach bis PI News den CDU-Politiker Walter Lübcke über die sozialen Medien zur Zielscheibe machten, wurde er im Juni in seinem Haus hingerichtet. Täter sollen die Kassler Neonazis Stephan E. und Markus H. sein. Er ist bereits in den Neunzigerjahren mit einschlägigen Gewalttaten aufgefallen, darunter ein versuchter Sprengstoffanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft. Der hessische Verfassungsschutz vermerkte seine Akte 2009 als „brandgefährlich“, hat aber angeblich seitdem nie an neue Informationen und hätte die Akte bereits vernichtet, wenn nicht ein Löschmoratorium wegen der Aufarbeitung des NSU-Komplexes das verhindert hätte. Später musste die Behörde zugeben, doch aktuellere Informationen über en Täter zu haben. Er taucht 11x in einem geheimen Bericht über militante Rechtsradikale auf, die laut VS einen Bezug zur rechten Terrorgruppe NSU aufweisen könnten. Auch jetzt noch wird die Arbeit des Generalbundesanwalts wird blockiert, Akten werden wie aus dem NSU-Komplex gewohnt nur Päckchenweise und zensiert weitergegeben, relevante Informationen über die Täter zurückgehalten. Dieses Verhalten kann nicht verwundern, schließlich wurde in Kassel Halit Yozgat in Anwesenheit eines Verfassungsschützers vom NSU ermordet. Die offensichtliche Sabotage der Ermittlungen zu der Verwicklung Andreas Temmes in den NSU-Komplex zeigte bereits, dass eine Aufklärung der Taten der rechten Terrorgruppe nur gegen den Inlandsgeheimdienst erreicht werden kann.

Wenn sich das realisieren lässt, wird eine Erkenntnis sicherlich die Erweiterung des Netzwerkes um den NSU sein. Und es scheint so, als wenn in Kassel aus demselben Netzwerk der Mord an Walter Lübcke geplant oder unterstützt wurde, wie der an Halit Yozgat. Antifaschistischen Recherchen zufolge war Stephan E. ein paar Monate vor seinem Mord bei einem Treffen von Combat18 in Mücka vor Ort. Diese Gruppe wird von Antifagruppen immer wieder als naheliegendes Unterstützungsnetzwerk des NSU gehandelt.

AB HEUTE 18 UHR WIRD ABGESTIMMT

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